GOTS Teil 1 Umwelt

(Global Organic Textile Standard)

Ab in den Klamottenladen? Check! Klamotten passen? Check! Ist das Shirt ökologisch und sozial gelabelt? Check! So weit ist das schön und gut. Aber für manchen kann es auch wichtig und interessant sein, was denn eigentlich den Unterschied zwischen einem ökologisch zertifiziertem T-Shirt und einem nicht zertifiziertem ausmacht. Genau darauf wollen wir hier näher eingehen und haben uns eines der bekanntesten, wenn nicht sogar das etablierteste Öko-Label der Textilindustrie angeschaut und unter die Lupe genommen.

GOTS heißt das gute Stück und steht für „Global Organic Textile Standard“. Zur Übersicht hier die Themenunterpunkte.

Worum gehts?
Anforderungen an die Produkte
Weitere Umweltkriterien
Die wichtigsten Punkte für Dich!!!

Worum gehts?

Betrachten wir die Beweggründe für die Einführung einer Zertifizierung für ökologische Textilprodukte, liegt natürlich die bessere Transparenz und vereinfachte Kontrolle der Konsumenten auf der Hand. Was bringt es einem Unternehmen, wenn sie umweltschonendere Kleidung unter sozial verträglicheren Bedingungen herstellt, wenn es keiner mitbekommt. Klar es hilft den Mitarbeitern, aber ihr wisst schon was wir meinen. Das GOTS-Label ist in erster Linie eine Hilfestellung um ökologische und fair produzierte Textilprodukte zu erkennen. Zusätzlich eröffnet ein solches Label der Branche einen Markt zu erschließen, der neue bessere Wege einschlagen will. Hier kommt es auf alle an. Die Produzenten, die Händler und die Verbraucher.

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Um den Label-Dschungel zu verkleinern und übersichtlicher zu gestalten wurde das GOTS-Label von den international führenden Standardorganisationen der OTAOrganic Trade Association“ (USA), dem IVN „Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft“ (Deutschland), der SA „Soil Association“ (Großbritannien) und der JOCA „Japan Organic Cotton Association“ (Japan) entwickelt. Der Anstoß für diese Vereinheitlichung kam von der Textilindurstrie selber und somit wurde im Jahr 2006 das GOTS-Label ins Leben gerufen. Mittlerweile wurden 10 verschiedene Zertifizierungsrichtlinien für ökologische Textilien in dem GOTS-Label zusammengefasst und eingearbeitet, mit dem Ergebnis, dass die Anzahl der weltweit 27 gelabelten Unternehmen im Jahr 2006, auf über 4.600 im Jahr 2016 angestiegen ist.

Die Kriterien für eine Standardisierung und Kennzeichnung von ökologisch produzierter Kleidung umfassen die Gewährleistung einer nachhaltigen Textilproduktion, wobei eine derart verbesserte Kreislaufwirtschaft massiv zu einer Ressourcenschonung beiträgt. Das geschieht in erster Linie durch den biologischen Anbau der Rohstoffe (siehe Artikel: Bio-Baumwolle) und durch eine umweltschonende Weiterverarbeitung bei der Kleiderproduktion. Zusätzlich wird ein weiterer Schwerpunkt auf eine sozial verantwortliche Fertigung gelegt. Um dem Verbraucher diese Kriterien zugänglich zu machen, setzt das GOTS-Label durch die Veröffentlichung Ihrer Leitfäden und dem Zertifizierungsprozess auf eine transparente Arbeit.

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Anforderungen an die Produkte

Nun wollen wir mal genauer auf die Anforderungen an die Produkte selber eingehen. Das Label richtet sich an alle Beteiligte der gesamten Wertschöpfungskette. An die Textilproduzenten, die Konfektionäre, an die Verpackungsindustrie und natürlich an den Handel. Ausgenommen aus der direkten Zertifizierung sind die Bio-Rohstoffe wie Leder oder Bio-Baumwolle. Für die Produktion von einem GOTS-Zertifizierten Produkt werden aber bis zu einem gewissen Anteil kontrolliert biologisch angebaute Naturfasern verlangt. Die Möglichkeiten einer Zertifizierung sind sehr vielfältig und beinhalten Faserprodukte, Garne, textile Flächen, Kleidung, Mode-Accessoires, Spielzeug aus Textilien, Heimtextilien, Matratzen, Bettüberzüge und auch Hygieneartikel.

Entsprechend dem Anteil der Rohstoffe aus kbA oder kbT, was für „kontrolliert biologischen Anbau“ und „kontrolliert biologischer Tierhaltung“ steht, sind zwei Zertifizierungen möglich.

In der ersten Variante müssen 95 Gew.-% der Fasern eines Produktes aus kbA bzw. kbT stammen, können aber auch aus Betrieben kommen, die in der Umstellungsphase sind. Die restlichen 5 Gew.-% dürfen aus nicht ökologisch erzeugten Fasern bestehen. Wichtig ist, dass die letzten 5 % nicht unter menschunwürdigen Bedingungen erzeugt wurden. Es dürfen keine Verstöße gegen die ILO Kern-Arbeitsnormen (International Labour Organization) vorliegen. Des weiteren dürfen keine Verstöße gegen die Prinzipien des Tierschutzes vorliegen und die Anbauflächen nicht aus dem Prozess des „Land Grabbing“ stammen. Wie diese letzten Punkte kontrolliert werden können, ist unserer Meinung nach nicht ganz einfach und geklärt.
Die zweite Zertifizierungsvariante steht für Produkte die teilweise, aber mindestens zu 70 Gew.-% aus kbA bzw. kbT, oder aus Betrieben in der Umstellungsphase stammen. Die restlichen höchstens 30 Gew.-% dürfen aus nicht ökol. erzeugten Fasern oder Materialien bestehen. Auch hier gelten wieder die zusätzlichen Anforderungen die in der ersten Variante beschrieben sind.

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Die Textilfasern aus kbA und nicht kbA müssen strickt voneinander getrennt bleiben. Das heißt zum Beispiel, dass kein Fasermaterial zugelassen wird, welches bereits bei der Faserherstellung miteinander gemischt wurde. In der Textilherstellung kommen zahlreiche Chemikalien für die Veredelung zum Einsatz. Komplett auf diese zu verzichten ist kaum möglich. Diese Zusätze wie Farbstoffe müssen umweltrelevante und toxikologische Kriterien erfüllen und werden vor einer möglichen Verwendung von einem zugelassenen Zertifizierer bewertet. Ansonsten sind sie unzulässig. Beispielsweise dürfen die Zusatzstoffe keine GVOs „Genetisch veränderte Organismen“ enthalten oder es müssen bestimmte Grenzwerte für Schwermetalle eingehalten werden.

Weitere Umweltkriterien

Neben den Produktanforderungen gibt es weitere Kriterien, die die Umwelt entlasten sollen. Darunter zählen Beschränkungen und Verbote von beispielsweise Ammoniakbehandlungen und der Chlorung von Wolle, welche unzulässig sind. Beim Färben oder Bedrucken von Produkten dürfen nur ausgewählte verträgliche Pigmente, Farb- und Hilfsstoffe zur Anwendung kommen.

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Für die Ausrüstung von Produkten, wie bei der Beschichtung von Kleidung, sind nur bestimmte Verfahren zulässig. Sollten synthetische Fasermaterialien zum Einsatz kommen, ist der Verarbeitungsanteil begrenzt. Polymerfasern zum Beispiel, dürfen nur zu einem Anteil von 10 % in einem Produkt verwendet werden. Füllungen und Ausstopfungsmaterialien sind ebenfalls nur aus kbA, kbT oder aus Betrieben in der Umstellungsphase zulässig.

Des Weiteren müssen die Betriebe eine zuständige Person für die Umweltpolitik benennen. Diese oder dieser Umweltbeauftragte ist für das Umweltmanagement des Unternehmens verantwortlich. Die Einhaltung und die Sicherstellung der nationalen und lokalen gesetzlichen Umweltanforderungen, einschließlich Emissionen aus Abluft, Abwasser und Abfall müssen umweltschonend behandelt werden. Für die Betriebe der Nassveredelung ist beispielsweise eine Abwasserbehandlung in einer internen oder externen Kläranlage vorgeschrieben. Für eine bessere Kontrolle wird ein Monitoring der Energie- und Abfallströme verlangt. Wir bewerten die Ausweitung dieser Kriterien bzgl. der Stoffströme in den Unternehmen als sehr weitreichend und begrüßenswert.

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Auch die Lagerung der zertifizierten Produkte unterliegt bestimmten Anforderungen. Somit dürfen Verpackungen nur aus unchlorierten Kunststoffen bestehen und kein PVC enthalten. Papier und Kartonagen müssen aus recyceltem Papier oder aus einer nachhaltig zertifizierten Forstwirtschaft stammen. Die Warenströme und Betriebsverfahren müssen bei allen Stufen der Wertschöpfungskette nachvollziehbar dokumentiert und kontrolliert werden.

 

Die wichtigsten Punkte für Dich

  • Das GOTS-Label ist ein Zusammenschluss der führenden Standardorganisationen. Dem teils unübersichtlichem Feld der Zertifizierungen wird damit entgegengewirkt.
  • GOTS umfasst alle Stationen der Wertschöpfungskette die bei der Produktion von ökologischen Textilprodukten eine Rolle spielen. Auch für die Ausnahme der Agrarindustrie gilt, es dürfen hauptsächlich nur biologisch angebaute Rohstoffe verwendet werden. (Artikel Bio-Baumwolle)
  • Es werden weitreichende Umweltanforderungen an die Verarbeitung, die Zusatzstoffe und die Betriebsführung der beteiligten Firmen gelegt. Hier wird die Bilanz und der Umgang mit den Stoffströmen, wie die des Abfalls und des Abwassers, in die Kontrollen mit aufgenommen.

 

Quellen:

http://www.global-standard.org/de/
GOTS Version 5.0 (Ausgabe 1. März 2017)
Standard AnleitungLizensierungs- und Labelling Leitfaden (Ausgabe 1. März 2014)
Lizensierungs-und Labelling Leitfaden (Ausgabe 08. Mai 2017)
https://de.wikipedia.org/wiki/Global_Organic_Textile_Standard

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