Fast Fashion – Eine Ausstellung zum umdenken

Im Vergleich zu 1980 besitzen wir in den Industrienationen heute 4 mal so viele Kleidungsstücke, womit wir direkt in das Thema des aktuellen Trends und der Branche einsteigen, die mit am meisten Abbild des schnellen, übermäßigen und kurzlebigen Konsums geworden ist. Die Bekleidungsindustrie. „Fast Fashion“ ist der Begriff für diesen Trend, welcher längst Einzug in die Modewelt erfahren hat und gleichzeitig Titel für eine Ausstellung in Köln ist, die ich vor kurzem besucht habe. „Die Schattenseiten der Mode“ lautet der Untertitel und lässt im Vorfeld keinen Zweifel daran, es wird sich um eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema handeln. Und da ihr natürlich nicht vor schwierigen Themen zurückschreckt, nehme ich euch mit auf einen zwar kleinen Rundgang durch die Ausstellung, aber hin zu einem der größten Industriezweige der Welt

40.000 km um die Welt. Die Reise einer Jeans.
Foto von WearGanic

Nach dem Besuch der Ausstellung wurde ich von Freunden gefragt: „Was ist denn Fast Fashion?“ Und um die Missverständnisse schnell zu klären, Fast Fashion beschreibt nichts weiter als eine im Vergleich zu früher extrem schnell gewordenen Produktionskette der Textilindustrie. Vom Entwurf bis zur Auslieferung der Kleidung vergehen teilweise nur noch 2 Wochen.

An die Klärung der Frage, wie diese Schnelllebigkeit funktionieren kann und viel mehr, welche Auswirkungen das auf die Produzenten und die Umwelt hat, wird man in der Ausstellung sehr ausführlich über Kurzfilme, Fotos und vielen Infotafeln nach und nach herangeführt. Also sehen wir uns die dargestellten Infos ein mal genauer an.

Foto von WearGanic

Die Arbeitsbedingungen

1/3 der weltweiten Arbeitsplätze sollen mit dem Textilsektor in Verbindung stehen. Ich habe auch schon von konservativeren Schätzungen gelesen, aber wenn das auch nur annähernd stimmt, dann sind die Reichweite und die Auswirkungen dieses Sektors enorm. Aber weiter im Text. Bei einem Fast Fashion T-Shirt mit einem Preis von 4,95 € ergibt sich etwa ein Lohnanteil von 13 Cent und ein Gewinnanteil von 2,10 €. Bei einem T-Shirt im mittleren Preissegment einer teureren Marke von 29,00 € ergibt sich ein Lohnanteil von 18 Cent und 15,00 € Gewinnanteil. Dabei wird der Unterschied des Geldanteils sehr deutlich, welcher für die Arbeiter/innen der verschiedenen Produktionsschritte und welcher für die am Ende stehenden Modemarke als Gewinn übrig bleibt.

Foto von WearGanic

Worauf in diesem Zusammenhang ganz besonders hingewiesen wird, ist der Existenzlohn, welcher praktisch noch in keinem Produzentenland umgesetzt wurde. Es gibt zwar auch staatlich vorgegebene Mindestlöhne für Textilarbeiter/innen, aber diese reichen nicht aus um die Grundbedürfnisse ausreichend decken zu können. Zum Verständnis sei erwähnt, dass beim Existenzlohn nach der AFWA (Asia Floor Wage Alliance) 50 % des Lohns für Essen, 40 % für die Wohnung, Kleidung und medizinische Versorgung ausgegeben werden kann, dabei aber noch 10 % des Lohns für Ersparnisse übrig bleiben.

Aufdruck eines Fotos einer 2013 eingestürzten Textilfabrik namens Rana Plaza in Savar Dhaka, Bangladesch. Es kam zu 1134 Todesopfern. Die Arbeiterinnen hatten vermehrt auf eine Baufälligkeit des Gebäudes hingewiesen.
Foto von WearGanic

Der gezahlte Lohn erfüllt aber weder in Europa noch in Asien diese Anforderungen. Der durchschnittliche Lohn in Mazedonien, Bulgarien und der Ukraine kommt zum Beispiel nur auf 14 % des benötigten Einkommens nach den Kriterien des Existenzlohns. In Bangladesch sind es 19 %, in China immerhin 46 % und in Georgien sogar nur 10 %. Klar kommt es dabei jeweils auf die Lebenshaltungskosten des einzelnen Landes an, aber wenn man sich in die Lage der Fabrikarbeiter/innen versetzt wird deutlich, dass 20 bis 40 $ im Monat nirgends wirklich ausreichend sein können, um ein einigermaßen sicheres Leben zu führen.

An dieser Stelle wird in der Ausstellung ein weiterer Missstand angesprochen. Die Arbeitszeit. 12 bis 16 Stunden Arbeitszeit am Tag und 6 Tage die Woche sind keine Seltenheit. Zur kurzen Erinnerung. Der Tag hat 24 Stunden… . Wenn ich mir sowas durchlese, dann verstehe ich nicht, wieso das die Regel sein muss und wieso dagegen angeblich nichts gemacht werden kann. Achtung Spoiler, es kann was gemacht werden, aber dazu später mehr. Um die Sache abzukürzen, hier das Zitat einer Textilarbeiterin aus Sri Lanka namens Amanthi, welches ich in der Ausstellung auf einer Säule zu sehen bekomme.

Foto von WearGanic

So viel zu den Arbeitsbedingungen. Doch kommen wir nun zu den Umweltaspekten.

Die Umweltauswirkungen der Landwirtschaft auf Baumwolle bezogen, welche in der Ausstellung genannt werden, habe ich hier bereits ausführlicher beschrieben. Dennoch sei erwähnt, dass nur 1 % der weltweiten Baumwollproduktion nach überprüfbaren Richtlinien des Ökolandbaus betrieben wird. Doch eine für mich neue und recht erschreckende Geschichte, von der ich in der Ausstellung lese ist, dass der Tullahan-Fluss auf den Philippinen teils täglich seine Farbe wechselt, je nachdem, welche Färbung gerade in der anliegenden Textilfabrik verwendet wird. Kläranlagen sind auch in Asien vielerorts noch nicht weit verbreitet und hier zeigt sich, dass der Preis, welcher in einem billigen T-Shirt ohne Umweltstandards nicht vorkommt, immer jemand anderes zahlt.

Wenn du nun meinst, „was kann ich für die schlechten Umweltstandards auf den Philippinen“? Dann lautet meine Antwort: „Nichts… Aber.“ Denn genau dieser Kläranlagenanschluss ist zum Beispiel auch ein Kriterium für das GOTS-Siegel, nach dem du deine Kleidung auswählen kannst, was wiederum einen Unterschied machen kann.

Foto von WearGanic

Neben den meiner Meinung nach sehr gut visualisierten Informationen, habe ich dennoch Kritik an der Ausstellung vorzubringen.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es für mich nicht offensichtlich wurde, woher die Daten für die Schaubilder und Diagramme auf den Infotafeln stammen. Ein paar Quellenangaben wären nicht schlecht gewesen. Aus diesem Grund habe ich an dieser Stelle nur wiedergeben können, was ich in der Ausstellung sehen und lesen konnte. Ein weiterer Punkt, auf den ich hier kaum eingehen möchte, ist der in der Ausstellung vorhandene zweite Teil mit dem Namen „Slow Fashion“. Hierbei soll es sich selbstverständlich um das Gegenteil zu Fast Fashion handeln. Aber in dem Teil der Ausstellung werden nur absolute Nischenprodukte und Kleidungsstoffe genannt, über die es interessant ist etwas zu erfahren, aber die praktisch auf die Branche bezogen, keinen Anteil haben und vermutlich nur eine exotische Alternative bleiben werden. Dabei gibt es bereits einige Organisationen wie GOTS oder Fairtrade und auch viele Firmen die sich zertifiziert haben lassen und mit den Produzenten in Osteuropa und Asien zusammenarbeiten, um die Verhältnisse zu verbessern. Ich hätte mir hier eine viel breitere Alternativdarstellung der jetzigen Situation gewünscht. Auf diese weise bleiben interessierte Besucher, welcher nach der Informationsflut gerne etwas verändern möchte, leider etwas im Regen stehen. Kurz um, der aktuelle Stand sieht etwas anders aus. Und deshalb hier eine kurze Handlungsempfehlung von mir.

Foto von WearGanic

Was kann ICH tun?

Alle die sich bereits mit dem Kapitalismus und unserer heutigen Wirtschaft befasst haben, werden vermutlich sagen, dass sie all diese Punkte doch schon 100 mal gehört haben und sowieso nichts dagegen tun können. Aber du kannst auf Secondhand-Kleidung setzen, wie zum Beispiel bei Kleiderkreisel. Du kannst in deinen ansässigen Klamotten Läden nach den Zertifizierungen fragen oder dich bei rein ökologischen Versandhäusern wie dem Avocadostore, Hessnatur oder Waschbär umschauen. Die Alternativen sind mittlerweile einfacher zu erreichen, als du vielleicht denkst.

Mein Fazit zu Fast Fashion

Die Gewinne, welche in den Abnehmerländern erzielt werden, kommen bei den Produzenten kaum an. Durch die Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer wird die Verantwortung der Modefirmen an andere Staaten abgegeben. Diese Staaten sind aber wirtschaftlich von der Bekleidungsindustrie abhängig, da diese einen sehr großen Anteil am BIP ausmacht. Deshalb werden Gewerkschaften unterdrückt um Investoren anzulocken, und aus Angst, die Produktion könnte in noch günstigere Länder verlagert werden, kommt es zu einer Drückung der Löhne.

Ein Teufelskreis, der aber durchbrochen werden kann, weil klar wird, dass alle mitverantwortlich sind. Die Bauern, die Produzenten, die Modemarken und die Verbraucher. Dabei wird der ein oder andere vielleicht denken, wenn alle mitverantwortlich sind, dann führt mein Handeln doch eh zu keinem Unterschied. Sollen sich doch zunächst die Big Player der Branche bewegen. Aber wenn du die Verantwortung abgibst, dann werden immer andere, die vielleicht verantwortungslos handeln, bestimmen, wie gewirtschaftet wird. Und außerdem bist du nicht die oder der Erste. Es haben sich bereits Menschen bewegt. Und hier oder hier findest du ihre Storys.

Solltest du die Ausstellung selber besuchen wollen, ist diese noch bis zum 24.02.2019 für dich im Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln geöffnet.

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