Ausgesummt – eine Kasseler Ausstellung

„Die Zeit läuft ab“…

So Heißt es auf dem ersten Schild im ersten Raum der Ausstellung im Kasseler Naturkundemuseum mit dem Titel „Ausgesummt“. Seitdem 2017 eine Studie des Entomologischen Vereins Krefeld bezüglich der Populationsentwicklungen von Fluginsekten in Deutschland erschien, ist das Thema Insektensterben groß durch die Medien gegangen. Und somit wurde in Kassel eine ganze Ausstellung dieser Problematik und unseren kleinen Planetenmitbewohnern gewidmet. Wer die Ausstellung, welche noch bis zum 14.10.2018 geöffnet hat, nicht mehr sehen kann und sich wie ich die Frage stellt, was das ganze mit unserer Kleidung zu tun hat, setzt die Lesebrille auf und erfährt im Folgenden mehr.

 

Trotz angenehmen 23 °C Zimmertemperatur werde ich gewarnt. „Diese Ausstellung ist unbequem“. „Scheiße“, denke ich nur. Wird doch kein entspannter Sonntag werden. Aber für Entspannung bin ich schließlich nicht hier. Also her mit dem aktuellen Wissensstand.

Laut der erwähnten Studie ist zwischen 1989 und 2016, also in den letzten 27 Jahren, die Biomasse der Fluginsekten in teilen Deutschlands um 75 % zurückgegangen…

Photo von WearGanic
(Austellung „Ausgesummt“ Naturkundemuseum im Ottoneum Kassel)

… kurze Pause. Das klingt nach immens viel für mich und nachdem ich das zum ersten Mal letztes Jahr in der Zeitung gelesen hatte, wurde mir folgender Hinweis in der Ausstellung erneut bewusst. Trotz des Rückgangs und den starken Indizien dafür, sind unsere kleinsten Mitlebewesen selten im Focus meiner Aufmerksamkeit. Erst solche Zahlen lassen mich aufhorchen. Und das scheint mir auch notwendig zu sein, sind Insekten doch extrem wichtig für jedes Ökosystem. Sie ernähren sich von totem Holz, Kot und toten Lebewesen. Dies setzt Nährstoffe für Pflanzen frei, welche die Nahrung für die meisten Tiere darstellen. Und am Ende wird so überhaupt erst unser Speiseplan möglich gemacht.

Ein bisschen ist es wieder wie im Biologieunterricht. Das habe ich alles schon mal gehört, aber lange nicht mehr daran gedacht. Und an diesem Punkt greift die Ausstellung genau richtig in meine Gedanken ein und führt mich von Informationen, über Insektenpräparaten bis hin zu einem komplett von innen anschaubaren Bienenstock. Es ist wirklich schön zu sehen, wie die Bienen vor meinen Augen Ihre Waben füllen.

Photo von WearGanic
(Austellung „Ausgesummt“ Naturkundemuseum im Ottoneum Kassel)

Im Laufe der Ausstellung erfahre ich, dass 90 % der Blütenpflanzen, wie Bäume und Sträucher, hauptsächlich von Insekten bestäubt werden. Hier kommt dann auch unsere Kleidung ins Spiel. Darunter fällt nämlich auch die Baumwolle von meinem T-Shirt. Ohne die Bestäubung von Insekten würde der Baumwollertrag um ca. 40 % zurückgehen.

Photo von WearGanic
(Austellung „Ausgesummt“ Naturkundemuseum im Ottoneum Kassel)

In der Ausstellung kommen natürlich auch die Gründe des Insektensterbens nicht zu kurz und einer der Hauptgründe scheint die intensive Landwirtschaft mit Ihren Monokulturen und dem Pestizideinsatz zu sein. Etwa 52 % der Fläche in Deutschland wird landwirtschaftlich genutzt und etwa auf 40 % der Anbauflächen wird das umstrittene Pestizid Glyphosat aufgebracht. Zusätzlich werden insektizide eingesetzt, welche für die Insekten und Bienen nervenschädigend wirken. In einem Ausschnitt eines Beitrags vom ZDF wird gezeigt, wie in einer Region in China, die Apfelblüten per Hand bestäubt werden. Bienen sind aufgrund von Insektiziden in der Region bereits ausgestorben. Darüber hinaus fehlen immer mehr Grünstreifen in Deutschland, auf denen verschiedene Arten von Blütenpflanzen einen Lebensraum für die Insekten bieten können.

Photo von WearGanic
(Austellung „Ausgesummt“ Naturkundemuseum im Ottoneum Kassel)

Zusammengefasst: Eine intensive Landwirtschaft und der Rückgang der Lebensräume für Insekten lässt den Bestand immer weiter zurückgehen. Es fehlt Nahrung für andere Tiere wie Vögel, dessen Bestände ebenfalls zurückgehen. Mehr als ein Drittel der Nahrungsquellen für den Menschen sind von der Bestäubung durch Insekten abhängig. Es kommt zu einem Rückgang der Artenvielfalt und zu einem Schwinden unserer Nahrungsquellen.

Photo von WearGanic
(Austellung „Ausgesummt“ Naturkundemuseum im Ottoneum Kassel)

Jetzt aber Schluss mit dem schlechten Gewissen. Was kann ich tun?

Klar, Lebensmittel kaufen, die nicht mit Pestiziden besprüht wurden. Weniger Fleisch essen, um weniger Anbauflächen zu benötigen und nicht indirekt genmanipulierte, bis zum Anschlag für die Insekten verseuchte, Landwirtschaft zu unterstützen. Darüber hinaus können mit einer hohen Fruchtfolge angebaute und saisonale sowie regionale Lebensmittel zu einer Erhöhung des Lebensraums für Insekten beitragen. Auch wenn ich zugeben muss, dass es mir sehr schwerfällt den letzten Punkt in mein Leben zu integrieren, gibt es doch Handlungsspielräume, die ich nutzen kann, um einen positiven Einfluss auszuüben.

Somit bleibt mir nach dem Besuch einer sehr gelungenen Ausstellung nur noch die gesammelten Infos sacken zu lassen und weiter darauf zu achten, was ich alles in meiner Einkaufstasche verschwinden lasse.

 

Quellen:

http://www.naturkundemuseum-kassel.de/museum/sonderausstellung/index.php

https://rp-online.de/nrw/staedte/krefeld/krefelder-studie-sorgt-international-fuer-furore_aid-19454739

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